Defensive Routinen

In seinem Aufsatz „Teaching Smart People How to Learn“ (HBR, 1996) beschreibt Chris Argyris defensive Routinen von Berater/innen, wie sie Lernen und Veränderung vermeiden.

  1. Berater wissen immer wie es geht. Darum sind sie ja schliesslich Berater geworden. (Fehler sind quasi Misserfolge, und Berater sind immer erfolgreich.)
  2. Das Master-Programm von Berater heisst „alles unter Kontrolle“. Man möchte den Kunden Sicherheit geben. Lernen bedeutet aber, wahrnehmen, dass etwas anders gelaufen ist als geplant.
  3. Berater haben erfolgreiche schulische und universitäre Karrieren hinter sich. Sie haben nie gelernt zu scheitern und Fehler zu machen. Lieber machen sie aus dem wirklichen Leben eine Unterrichtsstunde – und das können sie auch, weil sie so intelligent sind.
  4. Evaluation von Beratungsleistungen wird in Beratungsunternehmen nicht gepflegt. Entsprechende Methoden sind nur wenig ausgearbeitet. Die subjektive Einschätzung eines Senior-Consultants genügt, objektive Kriterien fehlen meistens. Wer aber lernen will, braucht die Verankerung in der Realität, ein objektives Feedback.
  5. Berater haben ein prima Ventil für Fehler. Wenn etwas nicht funktioniert, ist der Kunde schuld: unfähig, im Widerstand, Konflikte im Kundensystem etc.
  6. Berater können sehr gut abstrakt denken: Selbsthypnose durch Theorien, Hokus-Pokus mit Universalien (Occam’s Razor). In der Folge werden Begriffe zu Wirklichkeiten; die Wirklichkeit ist, das was ich darunter verstehe, und damit aller Kritik entzogen.
  7. Berater sind erfolgreich im Verkaufen. Hysterie: Alles wandelt sich unheimlich schnell. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Alles muss dynamisch und schnell gehen. Aktion folgt auf Aktion, Reorganisation folgt auf Reorganisation. Keine Zeit zum Lernen.

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